Synodaler Weg versus Theologie des Leibes

muttergottes

Auf dem obigen Bild sehen wir Unsere Liebe Frau der Schiffsbrüchigen (Notre-Dame des Naufragés). Wenn die Kirche das Schiff Petri ist, dann droht ihm heute zumindest in Deutschland, Schiffbruch zu erleiden: Der „Synodale Weg“ scheint in vielen Belangen der geltenden, verbindlichen Glaubenslehre der Kirche fern zu stehen, und eine Änderung bzw. „Neubewertung“ so mancher ihrer inhaltlichen Standpunkte anzustreben.

Da der Synodale Weg ein breites Spektrum an verschiedenen Themen bespricht, zu denen er jeweils „Beschlüsse“ fasst, würde es sicherlich den Umfang eines einzelnen Blogbeitrags übersteigen, all diese Dinge im Detail aufzuarbeiten. Stattdessen soll dieser Beitrag nur einen kurzen Einblick über einige Unterschiede in der Denkweise und Grundhaltung aufzeigen. Wir stellen dazu einige einzelne Aussagen aus einem Dokument des Synodalen Wegs, aus dem Bereich der Sexualmoral, einigen ihrer Gegenstücken aus der Theologie des Leibes gegenüber.

(Diese Gegenüberstellung könnte der erste Beitrag einer Serie sein, welche sich intensiver mit den Ansichten des Synodalen Weges beschäftigt. Neue Artikel dieser Beitragsreihe werden, sobald verfügbar, am Ende der Seite angefügt.)

In der folgenden Tabelle sehen wir einige Beispiele für solche unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen, zu 3 verschiedenen Themen.

Übersicht Synodaler Weg vs Theologie des Leibes:

Quelle für die Aussagen des Synodalen Weges: Die Vorlage des Synodalforums IV. Es wurden hier bewusst nicht die brisantesten aller Themen ausgewählt, und auch nicht die deutlichsten Widersprüche zur geltenden Glaubenslehre, sondern einige, vielleicht weniger drastische, Grundgedanken.

Quelle für die Aussagen der Theologie des Leibes: Die 133 Katechesen aus „Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan – Eine Theologie des Leibes“, (1. bzw. 3. Auflage)

(Eigene Hervorhebungen bei beiden Seiten, um wesentliche Punkte und Unterschiede besser hervorzuheben)

Hinweis: Die folgende Tabelle ist aufgrund Ihrer Größe für die meisten mobilen Geräte nicht geeignet.

ThemaSynodaler WegTheologie des Leibes
Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe(Präambel)
„Die Synodalversammlung ist überzeugt, dass die Neuausrichtung der Pastoral nicht ohne wesentliche Neuakzentuierungen der kirchlichen Sexualehre möglich sein wird. Deshalb regt die Synodalversammlung wichtige Neuakzentuierungen der kirchlichen Lehre an und hält die Überwindung einiger Engführungen in Fragen der Sexualität aus sexualwissenschaftlichen wie theologischen Gründen für dringend erforderlich. Insbesondere die Lehre die den Geschlechtsverkehr nur im Rahmen einer rechtmäßigen Ehe und nur in der ständigen Offenheit zur Zeugung von Nachkommen für ethisch legitim erachtet, hat zu einem weitgehenden Bruch zwischen Lehramt und Gläubigen geführt.“
„Die Einheit, von der Gen 2,24 spricht (’sie werden ein Fleisch‘) ist ohne Zweifel jene Einheit, die sich in der ehelichen Vereinigung vollzieht und in ihr Ausdruck findet. Die äußerst knappe und einfache biblische Formulierung weist das Geschlecht – weiblich und männlich – als jenes charakteristische Merkmal des Menschen – Mann und Frau – aus, das ihnen ermöglicht, wenn sie ‚ein Fleisch‘ werden, zugleich ihr ganzes Menschsein unter den Segen der Fruchtbarkeit zu stellen. Doch der Gesamtzusammenhang der lapidaren Formulierung gestattet uns nicht, an der Oberfläche der menschlichen Geschlechtlichkeit stehen zu bleiben, Körper und Geschlecht außerhalb der Gesamtdimension des Menschen und der ‚Gemeinschaft der Personen‘ zu behandeln, sondern er verpflichtet uns, von ‚Anfang‘ an die Fülle und Tiefe dieser Einheit zu sehen, die Mann und Frau um Lichte der Offenbarung des Leibes bilden sollen.
Empfängnisverhütung(B.4.2.) „Diese soziale Verantwortungsübernahme kann eben auch in einer bewussten Entscheidung zur Empfängnisverhütung in einer bestimmten Situation oder gegen weitere
leibliche Kinder begründet sein. Darin hat Fruchtbarkeit (Generativität) neben einer biologischen auch eine soziale Bedeutung und kann in diesem Sinn analog verstanden werden.“
„Darüber hinaus wird die eheliche Liebe öfters durch Egoismus, bloße Genußsucht und durch unerlaubte Praktiken gegen die Fruchtbarkeit der Ehe entweiht« (Gaudium et spes, Nr. 47). Paul VI., der sich in der Enzyklika Humanae vitae mit diesem letzteren Problem auseinandersetzte, schreibt unter anderem: »Man muß auch befürchten, daß der Mann, wenn er sich an den Gebrauch der empfängnisverhütenden Praktiken gewöhnt, schließlich die Achtung vor der Frau verliert und … sie am Ende als bloßes Mittel egoistischer Genußsucht und nicht mehr als seine von ihm geachtete und geliebte Partnerin und Gefährtin ansieht« (Humanae vitae, Nr. 17).“
Bedeutung des „Eros“(B.6.1.) „Lust und mit ihr Sexualität werden weniger als triebgebundene Erregung wahrgenommen, deren überschießendes Potential durch Triebabfuhr entlastet werden müsste, sondern als Vollzug einer leiblich erfahrbaren Energie, die sich der Anziehungskraft des Eros verdankt und damit dem Wohlgefühl leiblich erspürter Nähe Ausdruck verschafft.“
(…)
Votum 6
Zur lebensspendenden Kraft der Sexualität gehört auch die Erfahrung sexueller Lust. Sie lässt die leibliche Annahme der eigenen wie der anderen Person besonders intensiv und beglückend erspüren. Sie vermittelt den Eros: die Anziehung durch das Schöne und Begehrenswerte.“
(A.5.1.) „Liebe will sich anderen mitteilen und Anteil vermitteln. Sie besitzt neben den Komponenten des Eros (des Begehrens), der Agape (der Hingabe) auch die der Philia – der dialogischen Liebe oder Freundschaftsliebe, die am Erkunden und Erfahren des Gemeinschaftlichen interessiert ist. Alle drei Komponenten lassen wechselseitig Achtsamkeit und Zuneigung erfahren.
(…)
Während die Agape, die Nächstenliebe, allein dem Wohl des*der Anderen dienen möchte, hat der Eros auch eine ichbezogene Komponente: in der Nähe zum*zur Anderen sucht der liebende Mensch seine eigene Erfüllung und Glück.“
„Im Hohenlied zeigt der menschliche Eros das Antlitz einer Liebe, die immer auf der Suche ist und fast nie befriedigt wird. Der Widerhall dieser Unruhe durchzieht die Strophen des Gedichtes: »Ich öffnete meinem Geliebten: doch der Geliebte war fort, verschwunden. Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht« (Hld 5,6). »Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter, wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, ich bin krank vor Liebe!« (Hld 5, 8)
Einige Strophen des Hohenliedes stellen also den Eros als jene Form menschlicher Liebe vor, in der die Kräfte des Verlangens wirksam sind. In ihnen wurzelt das Bewußtsein bzw. die subjektive Gewißheit, daß Braut und Bräutigam in Treue und Ausschließlichkeit einander gehören. Zugleich jedoch zwingen uns viele andere Strophen des Gedichts, über die Ursache des Suchens und der Unruhe nachzudenken, die das Bewußtsein, einander zu gehören, begleiten. Gehört auch diese Unruhe zum Wesen des Eros? Wäre es so, würde diese Unruhe auf die Notwendigkeit, über sich selbst hinauszuschreiten, hinweisen. Die Wahrheit der Liebe drückt sich im Bewußtsein der gegenseitigen
Zugehörigkeit aus, die Frucht der Sehnsucht und der gegenseitigen Suche ist, und in der Notwendigkeit von Sehnsucht und Suche, dem Ergebnis der gegenseitigen Zugehörigkeit.
(…)
Es scheint jedoch, daß die Liebe sich uns hier in zwei Perspektiven erschließt: so als würde dort, wo der menschliche Eros seine Grenzen hat, durch die Worte des Paulus ein anderer Horizont der Liebe geöffnet, wo eine andere Sprache gilt; einer Liebe, die einer anderen Dimension der Person zu entspringen scheint und zu einer anderen Gemeinschaft aufruft und einlädt. Diese Liebe wird »agape« genannt; die Agape führt den Eros zur Vollkommenheit, indem sie ihn läutert.
Vergleich Synodaler Weg und Theologie des Leibes, in einigen ausgewählten Punkten

Zusammenfassung einiger wichtiger Feststellungen:

  • Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe: Der Synodale Weg wünscht sich eine Neuakzentuierung, d.h. eine Änderung der kirchlichen Lehre, und betrachtet den Vorbehalt des Geschlechtsverkehrs für die Ehe als Engführung, die überwunden werden muss. Die Theologie des Leibes sieht die eheliche Vereinigung als Teil einer größeren Gesamtdimension, der „Gemeinschaft der Personen“, zu der die Menschen berufen sind.
  • Empfängnisverhütung: Der Synodale Weg sieht in der Inanspruchnahme (auch künstlicher) Empfängnisverhütung als eine legitime, verantwortete Entscheidung gegen Kinder, und unterstreicht dass es auch andere Formen der Fruchtbarkeit gibt. Die Theologie des Leibes steht in der Tradition der kirchlichen Lehre und beruft sich auf diese (Gadium et spes, Humanae vitae), wenn sie angibt dass es bestimmte unerlaubte Praktiken gegen die Fruchtbarkeit gibt. Sie warnt auch davor, dass diese Praktiken zu einer geringeren Achtung der Frau führen könnten bzw. würden.
  • Bedeutung des Eros: Der Synodale Weg versteht hier den Eros als das „Begehren“, und differenziert ihn von anderen „Komponenten“ der Liebe. Der Eros sei dabei ichbezogener als die Agape, sei aber dennoch eine Möglichkeit wechselseitig Zuneigung zu erfahren. In der Theologie des Leibes wird der Eros, unter Berufung auf das Hohelied, als eine suchende Liebe dargestellt, die sich nach dem Anderen sehnt – insofern sieht sie in ihm auch jene Form der Liebe, in der das Verlangen wirksam ist. Jedoch sieht sie in ihm auch bereits eine Verwurzelung des Bewusstseins von Treue und Ausschließlichkeit. Trotzdem ist der Eros noch nicht per se ausreichend, sondern wird erst durch die Läuterung der Agape zur Vollkommenheit geführt. (Hierdurch wird dem Mensch der Horizont zur Gemeinschaft der Personen aufgerufen, wodurch sich unser Kreis wiederum schließt)

Weitere Ausarbeitungen zu diesen Themen:

Zu den Themen „Empfängnisverhütung“ sowie „Bedeutung des Eros“ habe ich im Zuge des Studiengangs zur Theologie des Leibes eigene Seminararbeiten verfasst, welche diese Fragestellungen näher beleuchten. Siehe dazu im Bereich Wissenschaftlichen Arbeiten: „„Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis“: Eine Zusammenfassung zentraler Wesensunterschiede der Bedeutung des Eros in Kultur und Gesellschaft, aus Sicht der Kirche und der Welt„, „Über ethische Erotik und erotische Ethik – Portfolio aus den Katechesen 44 bis 63„, sowie „Humanae Vitae versus Synodaler Weg – Über die Beurteilung der Empfängnisverhütung unterschiedlicher Strömungen der Kirche„.

Außerhalb dieser Webseite: Der Beitrag „Synodale Revision der katholischen Sexualmoral“ von synodale-beiträge.de (externer Link)

Zum Schluss eine gute Nachricht zu den oben erwähnten Positionen des Synodalen Weges: Die hier referenzierte „Vorlage des Synodalforums IV“ wurde vor kurzem – durch eine Sperrminorität der Bischöfe – abgelehnt. Sogar innerhalb des Synodalen Weges, konnten diese Dinge also, zumindest in der in der Vorlage dargelegten Form, nicht offiziell als Beschlüsse angenommen werden.

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