Synodaler Weg: Über die Kompetenzüberschreitung einer Bischofskonferenz

petersdom

Die Deutsche Bischofskonferenz ist, per Definition, für Deutschland zuständig. Da der katholische Glaube und seine Inhalte auch nicht von Land zu Land variiert, kann sie als solche auch nicht Glaubenslehre definieren, sondern ist an die bereits bestehende Glaubenslehre gebunden.

Dennoch möchte der Synodale Weg, so ist es selbst in verschiedenen seiner Beschlüsse definiert, „den Weltkatechismus ändern“ (), d.h. sowohl Änderungen in der Glaubenslehre vornehmen, und diese dann auch weltweit implementieren. Als solcher übersteugt der Synodale Weg, als Gremium der Deutschen Bischofskonferenz, in seinen Ansprüchen gleich zweifach seine Kompetenzen: Sowohl in seiner Zielsetzung, Glaubenslehre zu ändern (anstatt bestehende Lehre umzusetzen und zu verteidigen), als auch in der Reichweite, die er seinen Beschlüssen zuweisen will (weltweit statt nur auf Deutschland bezogen).

Auf diese Kompetenzüberschreitung wies der Heilige Stuhl auch bereits hin:

„Der ‚Synodale Weg‘ in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten.“

Erklärung des Heiligen Stuhls vom 21.7. 2022: https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2022/07/21/0550/01133.html

Der Synodale Weg ist ist sich dessen, zumindest manchmal, nicht unbewusst: So gibt er in seiner (in einem anderen Artikel diskutierten) Vorlage zum Synodalforum IV an:

„Die Synodalversammlung ist sich bewusst, dass viele der vorgeschlagenen Neuakzentuierungen wesentlich in die Lehrkompetenz des Bischofs von Rom fallen und deshalb nicht von der Kirche in Deutschland vorgenommen werden können. In diesem Sinne legt sie dem Papst die nachfolgenden Überlegungen und Voten vor und bittet ihn eindringlich, sie als ortskirchlichen
Ausdruck der Mitverantwortung aller Getauften und Gefirmten für das Wohl der einen Kirche Christi zu prüfen und aufzugreifen.“

Vorlage des Synodalforums IV, Präambel

Und so gab es auch in der jüngeren Vergangenheit wieder intensivere Gespräche zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Papst. Diese werden von Kommentatoren teils unterschiedlich beurteilt – Kardinal Marx versicherte jedoch noch vor wenigen Monaten, dass der Papst nicht sagte, der Synodale Weg sei auf dem Irrweg (https://de.catholicnewsagency.com/story/kardinal-marx-zum-synodalen-weg-papst-hat-nicht-gesagt-dass-wir-auf-dem-irrweg-sind-11887). Gleichzeitig lässt er aber die Gelegenheit nicht ungenutzt, um beispielsweise einen Beschluss für das Frauenpriestertum in Aussicht zu stellen:

„Man kann nicht einfach irgendeine einzelne Maßnahme beschließen – sagen wir: Frauenpriestertum – und erwarten, dass dann die Kirchen wieder voll werden“

Kardinal Marx in einem Bericht der Catholic News Agency: https://de.catholicnewsagency.com/story/kardinal-marx-zum-synodalen-weg-papst-hat-nicht-gesagt-dass-wir-auf-dem-irrweg-sind-11887

Genau ein solcher Beschluss wäre aber sicher nicht innerhalb der Kompetenzen des Synodalen Weges oder der deutschen Bischofskonferenz. Darauf wies unter anderem Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovic, selbst Teilnehmerin des Synodalen Weges, in einem Vortrag an der Hochschule Heiligenkreuz hin:

„Die unterschwellige oder auch ausgesprochene Möglichkeit Frauen in sakrale Ämter der Kirche zuzulassen übersteigt ja auch die Kompetenz des Synodalen Weges – das wäre ein universalkirchliches Thema. Im Grunde kann man darüber befinden, man kann auch beschließen dass es das geben soll, aber das heißt ja nicht dass das in irgendeiner Hinsicht noch durchführbar ist.“

Hanna-Barbara Gerl-Falkovic in einem Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=5zMk30fSup4 (ca. ab Minute 14:30)

In Ihrem Vortrag wies sie außerdem darauf hin, dass künftig eine „Evaluation“, und ein neues „Präsidium“ angedacht sei, mit dem man kontrollieren wolle, in welchen Diözesen die Beschlüsse des Synodalen Weges auch tatsächlich durchgeführt wurden.

Falls dies mit dem „Synodalen Rat“ geplant war, dann wurde nun von Rom jedoch bereits präventiv klar gestellt, dass keine Berufgnis besteht, diesen Rat zu gründen, wie kath.net berichtet:

„In dem Schreiben aus Rom vom 16. Januar wird klar festgehalten, dass weder der Synodale Weg noch eine nationale Bischofskonferenz befugt seien, ein derartiges Gremium einzurichten. (…) Außerdem wird klargestellt, dass deutsche Bischöfe nicht zur Teilnahme an dem ‚Synodalen Ausschuss‘ verpflichtet seien.

Kath.net Bericht „Rom sagt Nein zum ‚Synodalen Rat‘ in Deutschland“: https://kath.net/news/80614

Nach all diesen Beispielen möglicher oder tatsächlicher Kompetenzüberschreitungen seitens der deutschen Bischöfe möchte ich zum Abschluss aber wieder einen besonderen polnischen Bischof und Papst zitieren, der auf dieser Webseite für die Theologie des Leibes immer wesentlich im Zentrum steht: Wie viele heute nicht mehr zu bedenken scheinen, hatte Johannes Paul II. die zuvor erwähnte Frage zum Frauenpriestertum endgültig klären wollen (bzw. endgültig geklärt), in seiner Encyklica Ordinatio Sacerdotalis:

„Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Johannes Paul II., Ordinatio Sacerdotalis: https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/apost_letters/1994/documents/hf_jp-ii_apl_19940522_ordinatio-sacerdotalis.html

Wie genau jener Papst diese Feststellung treffen kann, der in vielen anderen Schreiben ausführlich die Würde und Bedeutung der Frau hervorhob, und wie diese Aussage dogmatisch zu beurteilen ist, werde ich in meiner Abschlussarbeit näher untersuchen.