Einführung in die Theologie des Leibes

Auf dieser Seite möchte ich die Theologie des Leibes in Groben Zügen vorstellen – insbesondere jenen, die sie noch gar nicht kennen, bzw. sich noch nicht näher mit ihr beschäftigt haben:

Wie wir feststellen werden ist die Theologie des Leibes jedoch ein umfangreiches theologisches Studiengebiet, weswegen wir hier an dieser Stelle nicht alle ihre Facetten beleuchten können. Wer sich näher beschäftigen will, findet jedoch im letzten Abschnitt („Wo finde ich…“) eine Reihe weiterer Stellen, sowohl innerhalb als auch außerhalb dieser Webseite, um tiefer in die Materie eintauchen zu können.

Was ist die Theologie des Leibes?

Der im Jahr 2005 verstorbene und 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. hielt zu Lebzeiten 129 wöchentliche Katechesen, welche sich in besonderer Weise dem menschlichen Leib im Allgemeinen, und im Speziellen Fragestellungen rund um Sexualität, Ehe, und Liebe widmen. Da Johannes Paul II. bzw. Karol Wojtyla darüber hinaus noch einige zusätzliche Katechesen hierzu niederschrieb bzw. vorbereitete, sind in Büchern zur Theologie des Leibes teilweise 133 bzw. 135 Katechesen enthalten.

Der Einfachheit halber werden wir auf dieser Webseite im Normalfall die in der deutschsprachigen Ausgabe „Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan – Eine Theologie des Leibes“ enthaltenen 133 Katechesen referenzieren.

Diese 133 Katechesen bilden im engeren Sinn die Theologie des Leibes. Im Sinne einer breiteren Definition kann man ihr als Studiengebiet auch noch andere Texte von Johannes Paul II. bzw. Karol Wojtyla (z.B. seinen „Brief an die Frauen“ aus 1995, oder sein Werk „Liebe und Verantwortung„), dem kirchlichen Lehramt (z.B. Humane Vitae von Papst Paul VI.), die verschiedenen Zusammenfassungen und Auslegungen der Theologie des Leibes (z.B. von Christopher West oder Chrystalina und Jason Evert im englischsprachigen Raum, oder von Birgit und Corbin Gams im deutschsprachigen Raum), sowie moderne wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Thematik (wie wir sie z.B. im Jahrbuch zur Theologie des Leibes finden) hinzu zählen, oder zumindest als eng mit ihr verwandt betrachten.

Geschichte der Theologie des Leibes

Eine umfassende Beschreibung der Geschichte der Theologie des Leibes wäre wohl zu weitreichend für diese kurze Einführung – jedoch möchten wir zumindest einige wichtige Meilensteine betrachten:

  • 1960 veröffentlicht Karol Wojtyla, seit 2 Jahren Bischof von Krakau, die Erstausgabe seines Buchs „Liebe und Verantwortung – Eine ethische Studie„, ein Werk, dass in vielerlei Hinsicht mit seiner späteren Theologie des Leibes zusammenhängt, und vielleicht als ihre philosophische Grundlage betrachtet werden kann.
  • Ebenfalls noch als Kardinal, begann Wojtyla ein Buch namens „Als Mann und Frau schuf er sie“ zu schreiben. Aus diesen Texten entwickelte er später die Katechesen, wie er sie schließlich als Papst öffentlich halten sollte.
  • Die 1. Katechese hielt er, nun Papst Johannes Paul II., am Mittwoch, 5. September 1979 (weniger als ein Jahr nach seiner Papstwahl). Im eingangs erwähnten deutschsprachigen Buch gehört die Katechese zum 1. Kapitel namens „Christus beruft sich auf den Anfang“, und trägt den Namen „1. Was bedeutet ‚Anfang‘?“.
  • Die finale Katechese der Theologie des Leibes hielt Johannes Paul II. schließlich am 28. November 1984. Er prägt hier auch den heute gebräuchlichen (Unter-)Titel „Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan“, sowie, die noch genauere Zusammenfassung „Die Erlösung des Leibes und die Sakramentalität der Ehe“.
  • Eine deutsche Ausgabe der Theologie des Leibes erscheint erstmals 1985 in zwei Bänden im Patris-Verlag. Heute gebräuchlich ist die 5. Ausgabe aus 2017, ich persönlich verwende die 3. Ausgabe aus 2011, vom Fe-Medienverlag (bereits jeweils in einem Band, nicht mehr in zwei).

Heute gilt die Theologie des Leibes international als wesentlicher Bestandteil der katholischen Sexualethik. Leider ist sie im deutschsprachigen Raum teilweise umstrittener, da sich hier bestimmte kirchliche Amtsträger im Rahmen des „synodalen Weges“ anders zu orientieren versuchen.

Für wen ist die Theologie des Leibes gedacht?

Man könnte provokant anmerken, dass die Theologie des Leibes für all jene Menschen von Relevanz ist, die einen Leib haben! Aber in der Tat diskutiert Johannes Paul II. in seinen Katechesen so zentrale, wesentliche Grundaspekte der Anthropologie, dass seine Theologie des Leibes in der Tat allen Menschen etwas zu sagen hat. Dennoch ist sie natürlich insbesondere in jenen Lebenssituationen und -Abschnitten von spezieller Bedeutung, in denen man sich intensiver mit der „menschlichen Liebe“ auseinandersetzen möchte, d.h. mit Fragen zu Sexualität, Liebesbeziehungen, Ehe, Familie und Gemeinschaft.

In diesem Sinne könnte die Theologie des Leibes unter anderem für die folgenden Personengruppen besonders interessant sein:

  • Jugendliche, welche ein christliches Fundament für ihre Sexualität suchen, oder ein solches Kennenlernen und darüber nachdenken möchten
  • Alleinstehende Personen, die in Vorbereitung auf eine etwaige spätere Ehe ein starkes, geistliches Fundament dafür aufbauen wollen
  • Ehepaare, welche sich danach sehnen ihre bestehende Ehe im Licht der Bibel und des Glaubens zu verstehen und zu leben
  • Eltern, Großeltern, Paten, und allen, die einen gewissen Einfluss auf junge Menschen haben, und diesen ein christliches Grundverständnis zum Thema „Liebe“ vermitteln möchten
  • Verschiedene Forscher und Wissenschaftlicher, welche sich intensiver mit katholischer Sexualethik beschäftigen möchten
  • Menschen, die dem Glauben fern stehen, aber das katholische Verständnis von Sexualität und Liebe nachvollziehen möchten
  • Seelsorger, welche ihren Mitmenschen auch in diesen so wichtigen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen

Dem letzten Punkt widmen wir, weil er gerne missverstanden wird, noch einen eigenen Abschnitt in dieser Einführung:

Was ist mit zölibatär lebenden Menschen?

Priester, Ordensleute und alle, die um des Himmelsreiches willen die Jungfräulichkeit gewählt haben, sind kein Randthema für Johannes Paul II. – im Gegenteil, die jungfräuliche Lebensweise nimmt einen wichtigen Platz in der Theologie des Leibes ein.

Im Stichwortverzeichnis der deutschsprachigen Ausgabe werden Begriffe wie „Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen“ oder „Jungfräulichkeit“ nicht nur an sehr vielen Stellen des Werkes referenziert – ersterem ist sogar ein eigenes Unterkapitel gewidmet, welches 58 Seiten umfasst (S. 431-589 in der 3. Auflage).

„Die Frage des Aufrufs zu einer Ganzhingabe an Gott in Jungfräulichkeit und Ehelosigkeit ist tief verwurzelt in der Theologie des Evangeliums über den Leib“ – so Johannes Paul II. zu beginn seiner 73. Katechese am 10. März 1982. Priester und andere zölibatär lebende Menschen sind also nicht nur indirekt von der Theologie des Leibes betroffen, insofern ihnen die Kenntnisse für eine Seelsorgetätigkeit von Nutzen sein können. Sondern, sie und ihre Lebensweise sind ebenso sehr direkt angesprochen, und bilden ein zentrales Thema in der Theologie des Leibes.

Wo finde ich nähere Informationen über die Theologie des Leibes?

Heute gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten, mehr über die Theologie des Leibes zu erfahren, und tiefer in die Thematik einzutauchen. Simple Google-Suchen nach Begriffen wie „theologie des leibes“ oder „theology of the body“ liefern bereits eine Vielzahl an interessanten Ergebnissen.

Häufig macht es jedoch Sinn, strukturierter vorzugehen: Wenn Ihnen diese Einführung gefallen hat, möchten Sie vielleicht einen Blick auf die anderen Seiten/Beiträge dieser Webseite werfen. Für Einsteiger bieten sich hierfür insbesondere die häufig gestellten Fragen und Antworten, sowie der (kostenlose) TheologieDesLeibes.at Basiskurs an.

Darüber hinaus bieten sich natürlich auch die hier in dieser Einführung erwähnten Bücher und sonstigen Texte für weitere Studien an.

Wer sich jedoch vertiefend und unter fachlicher Anleitung mit der Theologie des Leibes beschäftigen möchte, könnte einen Blick auf verfügbare Weiterbildungsprogramme werfen:

Möglichkeiten zur gezielten Weiterbildung in der Theologie des Leibes

Ich selbst habe den Studiengang zur Theologie des Leibes absolviert, der von der Initiative Christliche Familie an der Theologisch-Philosophischen Hochschule Heiligenkreuz angeboten wird. Diesen Studiengang kann ich sehr weiterempfehlen – er dauert 2 Jahre und kann nebenberuflich durchgeführt werden:

Nähere Informationen zum Studiengang

Darüber hinaus gibt es diverse andere Anbieter von (auch nicht-akademischen) Kursen zur Theologie des Leibes. Eine kleine Auswahl dazu finden Sie hier:

  • Forum Wahou Onlinekurs: https://www.forumwahou.at/790-2/
  • Onlinekurse von Christopher West (englischsprachig): https://tobinstitute.org/
  • Kurse zur Natürlichen Empfängnisregelung (NER): https://iner.org/de/anwenden/kurse/kurse.html. Online: https://iner.org/de/anwenden/kurse/grundkurs-online.html